Technische_Sammlungen

Bevor wir Nachbarn werden

Diesen Text habe ich für Kultur Aktiv e.V. im Projekt Dresdner Nachbarschaften geschrieben

Formal ist das schnell geschehen. Wohnungen werden vergeben. Mieter ziehen ein. Sie sind sich fremd als Nachbarn. Oft erkennt man sich außerhalb des Hauses nicht. Und in vielen Fällen bleibt das jahrelang so. Jährlich meistern rund 20.000 bis 25.000 Menschen diese Situation als nationale und internationale Neuankömmlinge in Dresden.

Das physische und das emotionale Ankommen sind in Dresden oft zwei Paar Schuh und es soll sich zum konstruktiven, schöpferischen, angenehmen Miteinander entwickeln.

Aus diesem Grund stellte Roland Schwarz, Direktor der technischen Sammlungen in Dresden, großzügig seine 5. Etage für ein World Cafe’ zur Ideenfindung zur Verfügung. Es ist ja auch ein großes Thema. Viel wird darüber diskutiert in der Bahn, am Stammtisch, bei Demos. Laut wird es auch manchmal. Doch wenn Augen, Ohren und der Geist offen sind für Fragen und Ideen, wenn Bundes- und Kommunalpolitiker da sind und sich Zeit nehmen, wenn Mikrofone und Stifte bereitliegen, sind nur wenige Nachbarn an Nachbarn interessiert.

Für Jürgen Dudeck vom Runden Tisch für Senioren und Menschen mit Behinderung ist Nachbarschaft wichtig für Demokratie, weil es viele Spannungen gibt, die gelöst werden wollen. Das Rathaus ist oft nicht der geeignete Ort, Dinge anzusprechen, hört man aus dem Verein Pro Pieschen. Entweder hagelt es Ablehnungen oder man bekommt gar keine Antwort, weiß die Vertreterin und gibt auf, ein Sonnensegel für den Sandkasten eines Spielplatzes zu beantragen.

Was seit 15 Jahren recht gut funktioniert, ist das Mehrgenerationenhaus des riesa efau. Ab 2023 gibt es ganz konkrete monatliche Nachbarschaftsaktionen, den Fördergeldern sei Dank. Dazu gehören Kiezfrühstück mit Flohmarkt, Kiez-Ping-Pong, Pflanzentausch oder auch die Erzählbank im Hof des riesa efau. Doch eins ist Fakt, sagt Beate Neuber: ”Das Problem der Einsamkeit wächst.”

Wenn man es nicht möchte, muss man mit niemandem reden, denn digitale Helfer gibt es überall.

Kommuniziert wird über soziale Medienplattformen, schriftlich und mit Icons, wenn´s mal intensiv werden soll, Einkaufen geht an der SB-Kasse schneller, im Haus geht’s auf und ab mit dem Aufzug.

Doch wenn der mal defekt ist, spricht man durchaus auch länger an und vor der Haustür. Jemanden zum Reden hineinbitten, etwa zum Tee oder Kaffee – eine ganz neue Option😊

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